Kompetenzen im Musikunterricht: Was Kinder mit Boomwhackern lernen
Beim Boomwhacker-Spielen lernen Kinder mehr als die Farben der Töne. Hier zeige ich, welche Kompetenzen dabei wachsen, wie ihr sie auf bimbadi übt und woran ihr seht, dass ein Kind etwas kann. Hintergrund und Forschung zum Thema stehen auf notengebung.de, hier geht es um die Praxis.
Robert Koegler · Oktober 2026
Wissen und Können gehören zusammen
Ein Kind, das weiß, dass das C rot ist und eine Viertelnote einen Schlag dauert, hat die Grundlage. Ob es damit umgehen kann, hört man im Playalong: Findet es seinen Einsatz, hält es das Tempo, setzt es nach der Pause wieder ein? Kompetenz meint beides, das Wissen und die Fähigkeit, es in einer echten Situation einzusetzen. Wer die Notenwerte nicht kennt, kann einen Rhythmus nachmachen, aber nicht selbst lesen.
Beim Musizieren in der Klasse hört man beides gleichzeitig. Was ein Kind gelernt hat, wird beim Spielen hörbar, ich nenne das gern klangbar.
Boomwhacker eignen sich dafür gut, weil der Anfang leicht ist. Jedes Kind hat sofort ein Instrument in der Hand, und der Farbcode ersetzt am Anfang die Notenschrift. Weil jedes Kind meist nur einen oder zwei Töne hat, entsteht die Melodie erst, wenn alle im richtigen Moment spielen.
Was in der Grundschule zählt
In der Grundschule geht es mir beim Boomwhacker-Spielen weniger darum, ein Instrument zu beherrschen oder Notenlehre zu lernen. Wichtiger sind Gemeinschaft und Rücksicht. Der Lehrplan Musik für die Grundschule in NRW nennt das Musikmachen „das Fundament für alles weitere musikalische Handeln“ und beschreibt das Musizieren in der Gruppe als Ort für kooperative Prozesse, bei denen Wahrnehmung und Kommunikation grundlegend sind.
Aufeinander hören ist beim Zusammenspiel also selbst eine musikalische Kompetenz. Ob Kinder dadurch auch auf dem Pausenhof rücksichtsvoller werden, ist eine andere Frage. Einzelne Studien deuten darauf hin, belegt ist es nicht. In der Stunde selbst sieht man dagegen gut, was die Kinder dabei lernen:
- Aufeinander hören: Ein Lied klingt nur, wenn jede Farbe im richtigen Moment kommt.
- Einsätze abwarten: Wer den Schlusston hat, wartet vielleicht zwanzig Takte lang und muss trotzdem bereit sein.
- Verantwortung übernehmen: Ohne das Gelb fehlt etwas im Lied. Jedes Kind wird gebraucht, auch das, das sonst wenig sagt.
- Leiten und zusammenarbeiten: In der Gruppenarbeit zählt ein Kind ein, die anderen folgen, und am Ende spielt die Gruppe vor.
- Alle mitnehmen: Mit großen Farbflächen und ruhigem Tempo kommen auch Kinder mit, die sonst schnell überfordert sind. Dafür gibt es die Lieder reizarm.
Ab Klasse 5 kommt die Theorie dazu
In der Sekundarstufe I lässt sich das deutlich ausbauen. Die Kinder lernen Notenwerte, lesen Noten, spielen Rhythmen und Akkorde, und alles davon lässt sich beim Spielen überprüfen. Wer verstanden hat, wie eine Kadenz aus C, F und G aufgebaut ist, findet seinen Einsatz in der Begleitgruppe auch ohne Farben.
Dabei bauen wir die Farben Schritt für Schritt ab. Farbige Noten helfen am Anfang, können das Notenlesen aber auch ersetzen, statt es vorzubereiten. Deshalb führt das Notenlesen auf bimbadi in vier Stufen von farbigen Noten bis zum schwarzen Notenkopf. Dazu kommen der Notenwerte-Baukasten, Rhythmus Pro und die Akkord-Werkstatt.
Neu ist die Idee nicht. Der Aufbauende Musikunterricht (Bähr, Gies, Jank, Nimczik) verbindet seit Jahren das eigene Musizieren mit einem geplanten Aufbau musikalischer Fähigkeiten. Die Werkzeuge auf bimbadi sind ein Weg, das mit Boomwhackern umzusetzen.
Fünf Tätigkeiten und wo ihr sie übt
Die Lehrpläne der Länder teilen das Fach verschieden ein. Die Grundschule in NRW hat drei Bereiche (Musik machen und gestalten, Musik hören und verstehen, Musik umsetzen und darstellen), Bayern hat vier Lernbereiche. Für die Übungen auf bimbadi ordne ich nach fünf Tätigkeiten, die sich in den Lehrplänen wiederfinden.
Musik machen
Die Kinder können
- den eigenen Einsatz finden und im Tempo der Gruppe bleiben
- Pausen aushalten und wieder einsetzen
- mit anderen ein Lied spielen, auch im Kanon
Auf bimbadi üben
- Playalongs an der Tafel, erst langsam, dann im Originaltempo
- Ostinati mit Boomwhackern
- Lieder reizarm, Ton für Ton
Woran ihr es seht
Das Kind setzt ein, ohne dass jemand es anstupst, und bleibt im Tempo, auch wenn das Playalong schneller wird.
Musik hören
Die Kinder können
- hohe und tiefe Töne unterscheiden
- den eigenen Ton am Klang erkennen
- Dur und Moll, gleich und anders heraushören
Auf bimbadi üben
- Hörspiel „Welche Farbe war das?“
- Hörquiz bei den Rhythmusspielen
- Intervall-Trainer und Hörquiz in der Akkord-Werkstatt
Woran ihr es seht
Beim Hörspiel steht das Kind auf, bevor die Farbe auf dem Bildschirm erscheint.
Musik umsetzen (bewegen und darstellen)
Die Kinder können
- Rhythmen mit dem Körper spielen
- auf Zeichen reagieren, etwa lauter, leiser oder Stopp
- zeigen, was sie in der Musik hören
Auf bimbadi üben
- Echo-Spiel und Farb-Dirigent bei den Rhythmusspielen
- Körper-Grooves
- Bodypercussion in Rhythmus Pro
Woran ihr es seht
Das Kind folgt dem Farb-Dirigenten, ohne zu den Nachbarn zu schauen.
Musik erfinden
Die Kinder können
- ein kurzes Ostinato erfinden und wiederholen
- ein Motiv verändern
- über eine Begleitung improvisieren
Auf bimbadi üben
- eigene Pattern an der Tafel bauen
- Komponier-Werkstatt mit Sequenz, Umkehrung und Krebs
- Blues & Groove mit der Bluestonleiter
Woran ihr es seht
Das Kind spielt seine Idee zweimal gleich, und die Gruppe kann sie übernehmen.
Über Musik nachdenken
Die Kinder können
- vom Farbcode zur Notenschrift wechseln
- Notenwerte und Fachbegriffe richtig benutzen
- den Aufbau eines Stücks erkennen und Musik einer Zeit zuordnen
Auf bimbadi üben
- Notenlesen in vier Stufen
- Notenwerte-Baukasten
- Formen und Epochen
Woran ihr es seht
Das Kind erklärt, warum der Kanon zusammen gut klingt, oder zeigt im Notenbild die Stelle, an der es dran ist.
Beispiel: der Uhren-Kanon in einer Stunde
Wie das in einer Stunde zusammenkommt, zeigt der Uhren-Kanon. Er braucht nur vier Röhren, C, E, G und das hohe C.
- Hören: „bim ba di“ (E, C, G) vorspielen, die Kinder spielen nach und erkennen ihre Farbe.
- Umsetzen: das Ticken der Uhr als Ostinato sprechen und klatschen.
- Musik machen: Die Gruppen üben die Melodie, dann spielen alle mit dem Playalong, zuerst einstimmig, dann als Kanon.
- Nachdenken: Warum passen die Stimmen zusammen? Alle vier Töne gehören zum C-Dur-Dreiklang.
- Erfinden: Die Kinder bauen an der Tafel ein eigenes Uhren-Ostinato und spielen es zum Kanon.
Den ganzen Ablauf mit Ideen zum Differenzieren findet ihr in der Beispielstunde.
Prozess und Lernfortschritt bewerten
Beim Musizieren gilt für mich: Der Weg ist das Ziel. Ich bewerte nicht nur das fertige Stück, sondern auch, wie ein Kind und eine Gruppe dorthin gekommen sind. Auch der NRW-Lehrplan verlangt, Anstrengungen und Lernfortschritte zu bewerten und Leistungen in der Gruppe zu berücksichtigen. Dabei hilft:
- Kriterien vorher nennen und so formulieren, dass man sie hört und sieht: „setzt pünktlich ein“, „hält das Tempo“, „hört auf die anderen“.
- Gruppe und Kind getrennt anschauen: Beim Vorspielen zählt, wie die Gruppe zusammen spielt. Was jedes Kind beigetragen hat, zeigt sich oft eher beim Üben.
- Die Kinder sich selbst einschätzen lassen: Wo war ich sicher, wo musste ich warten, was übe ich als Nächstes?
- Vorbildung nicht mitbewerten: Was ein Kind aus der Musikschule mitbringt, zählt nicht. Bewertet wird, was es im Unterricht dazugelernt hat.
Wie ich daraus Noten mache, beschreibe ich ausführlich auf notengebung.de im Artikel Musik benoten: Klassenmusizieren fair bewerten, mit gleicher Übungszeit für alle und vier Kriterien. Dort gibt es auch die Teambewertung, mit der die Klasse Gruppenauftritte nach klaren Kriterien bewertet.
Was KI beim Musizieren nicht übernehmen kann
Komponieren, Produzieren und Aufnahmen für zu Hause kann man inzwischen an KI abgeben. Programme wie Suno oder Udio machen aus ein paar Stichworten einen fertigen Song. Das gemeinsame Spielen im Raum kann einem Kind dagegen niemand abnehmen, auch keine KI. Der Einsatz kommt im richtigen Moment oder er fehlt, und die ganze Klasse hört es.
Für mich ist das ein Grund mehr, im Musikunterricht viel gemeinsam zu spielen. Das ist meine Einschätzung, eine Studie dazu kenne ich nicht. Der Landesmusikrat Thüringen und der Bundesverband Musikunterricht in Thüringen fordern in ihrem Positionspapier zu KI im Musikunterricht ebenfalls, bei Prüfungen Prozess, Entscheidungen und Reflexion sichtbar zu machen und nicht nur das Produkt. Dort steht auch der Satz „Leibliche Dimension musikalischer Erfahrung darf nicht substituiert werden.“ Gemeint ist: Das Erleben mit dem eigenen Körper lässt sich durch nichts ersetzen.
Was Kritiker gegen den Kompetenzbegriff einwenden und was KI an der Notengebung ändert, beschreibe ich auf notengebung.de im Artikel Kompetenzorientiert bewerten: Was Kritiker einwenden und was KI daran ändert.
Weiterlesen
- Beispielstunde mit Gruppenarbeit und Bewertung
- Vertretungsstunde ohne Vorbereitung
- Musiktheorie zum Mitspielen für Klasse 5 bis 10
- Klassenmusizieren fair bewerten auf notengebung.de
- Kompetenzorientiert bewerten auf notengebung.de: Kritik am Kompetenzbegriff und was KI daran ändert
- Alle Artikel unter Praxis
Wie setzt ihr Boomwhacker ein, und was beobachtet ihr bei euren Klassen? Ich freue mich über eine Nachricht über das Rückmeldeformular.
Robert